Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.

Die Mechanismen des Feindbilds

Vorurteile können schnell zu Feindbildern werden, aber sie werden es nicht automatisch. Feindbilder sind Bilder von „Sündenböcken“, von Menschen oder auch Institutionen die zu Feinden erklärt werden, auch wenn das nicht immer bewusst oder absichtsvoll geschieht. Feindbilder sind hartnäckig und aggressiv, denn sie haben Motive. Damit sind Feindbilder nie harmlos, die bloße Äußerung ist bereits ein Ausdruck von Machtausübung.

Feindbilder…

…haben Ordnungsfunktion: Feindbilder haben wie Vorurteile die Funktion, die Welt zu ordnen. Die verwirrende Vielfalt des
Lebens kann in „Schubladen“ eingeordnet werden.

…dienen der Gruppenbildung: Vorurteile und Feindbilder sind immer Vergleiche. Sie definieren Gruppenidentitäten: Durch die Definition des Anderen wird gleichzeitig festgelegt, wer man selbst ist bzw. nicht ist. „Ich werde am Du zum Ich“ (Martin Buber). Ist das Bewertungsbedürfnis kollektiv und stark und wird damit auch definiert, wer Freund und wer Feind ist, sprechen wir statt von einem Vorurteil von einem Feindbild.

…haben eine Stabilisierungsfunktion: Abwertung von Anderen stärkt das eigene Selbstwertgefühl oder das Zusammengehörigkeitsgefühl in Gruppen auf Kosten Anderer. Der Zusammenhalt innerhalb von Gruppen wird umso stärker, je stärker eine andere zum Feind (gemacht) wird.

…ermöglichen Angstabwehr: Feindbilder entlasten. Sie machen die Welt für die Einzelnen einfacher und weniger bedrohlich – auf Kosten derjenigen, über die die Feindbilder gebildet werden.

…haben Sündenbockfunktion: Für persönliche oder gesellschaftliche Probleme werden „Sündenböcke“ haftbar gemacht. Wenn man gegen Sündenböcke aktiv wird, entsteht das Gefühl von Handlungsfähigkeit, was hilft, sich besser zu fühlen, ohne dass man wirklich etwas ändern muss (eingeschränkte Handlungsfähigkeit). Probleme scheinen über personalisierte Feindbilder erklärbar und lösbar zu sein. Und das, ohne sich mit Mächtigeren anlegen zu müssen oder Privilegien teilen zu müssen. Was wir an Anderen bekämpfen, hat mit uns selbst nichts zu tun.

…sind gut für die Aggressionsabfuhr: Feindbilder ermöglichen gesellschaftlich gebilligte Aggressionsabfuhr. Wir können uns besser fühlen und nebenbei vielleicht auch unsere Straflust ausleben. Böse müssen weg oder gehören abgeschoben oder in den Knast. Sie sollen sich anpassen müssen, wie auch wir uns täglich bezwingen, uns an Dinge anzupassen, die uns gar nicht schmecken.

…vermitteln das Gefühl des Bescheidwissens: Das stereotype Feindbild bestätigt uns, dass wir Bescheid wissen und, dass wir uns im Einklang mit Anderen befinden.

…helfen bei der Verdrängung: Verdrängt, d. h. nicht bewusst an sich selbst wahrgenommen werden Eigenschaften, Wünsche und Gefühle, die wir (oft aufgrund gesellschaftlicher Tabuisierung) nicht an uns selbst akzeptieren können. Diese werden stellvertretend an den „Anderen“ bekämpft. So suchen ängstliche Menschen andere, die sie in ihrer engen Moral bestätigen und bekämpfen freiere für ihren Mut oder, weil ihr Auftreten verdrängte Wünsche freisetzt.

…ermöglichen Übertragung auf Andere (Projektion): Feindbilder dienen dem psychischen Mechanismus der Übertragung von Eigenem auf Andere. Um der Auseinandersetzung mit eigenen  „Fehlern“ aus dem Weg zu gehen, werden die der „Anderen“ besonders herausgestellt und eigene Fehler stellvertretend an Anderen bekämpft.

…braucht man für die Rationalisierung: Rationalisierung beschreibt die Selbstlüge, mit der der Grund für eigenes ungerechtes Verhalten als vernünftig erklärt wird. Der Andere ist selbst schuld daran, dass er so schlecht behandelt wird. Unser nicht-soziales oder anders schlechtes Verhalten ist aus höheren Beweggründen notwendig, z. B. weil es der Andere nicht besser verdient hat, weil Frauen zu dumm für Spitzenjobs sind und Ausländer unterentwickelt. Statt durch den Einspruch gegen Ungleichbehandlung gegen gesellschaftliche Rollen zu verstoßen, bieten Feindbilder  vermeintliche Begründungen, warum Ungleichbehandlung richtig sein soll.

…bestätigen sich selbst: Es gibt ein Selbsterhaltungsprinzip von Feindbildern, das dafür sorgt, dass sie stabil bleiben. Informationen werden selektiv wahrgenommen und gespeichert. Dem Feindbild widersprechende Informationen werden umgedeutet. Solche, die nicht in das vorgefasste Schema passen, werden ignoriert oder kleingeredet. Damit können die bestehenden Feindbilder immer wieder bestätigt werden.

…kommen selten allein: Nach den „Studien zum autoritären Charakter“ (Adorno und Horkheimer) kommt ein Vorurteil selten allein. Oft werden übersteigerter Nationalismus, Ungleichheitsideologien, Schwarz-Weiß-Denken und Ideen von oben-unten und gut-böse zu einem breiten autoritären Muster zusammengefügt.
Feindbilder kombinieren oft gesellschaftlich Missachtetes miteinander. So gehören Motive aus der Tierwelt, von körperlicher Versehrtheit und sexualisierte Bilder oft zusammen.

…bringen oder erhalten Macht: Feindbilder sind so stabil, weil es für sie ein Motiv gibt. Sie spielen nicht nur im psychischen Haushalt von einzelnen eine wichtige Rolle, sondern tragen
auch wesentlich zum Erhalt von Machtstrukturen bei. Gesellschaftliche Ungleichbehandlung, Unterschiede in Bezug auf Einflussmöglichkeiten, Lebensperspektiven etc. werden
durch die Verbreitung und Aufrechterhaltung von Feindbildern immer wieder gestützt.

Quelle: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit von DGB-Bildungswerk Thüringen. e.V.

Feindbilder…

…sind hartnäckig und aggressiv, denn die haben Motive und Funktionen. Damit sind Feindbilder nie harmlos, die bloße Äußerung ist bereits Ausdruck von Machtausübung.

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall