Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.

Gibt es Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge?

Ohne Deutschkenntnisse ist es schwierig, sich auf Behörden, bei ÄrztInnen, im Kindergarten, in der Schule, bei einer Arbeit oder im Alltag zu verständigen. Die Bedeutung von Sprache zur gesellschaftlichen Teilhabe wird immer wieder betont. Deshalb ist es notwendig, dass allen Flüchtlingen der Zugang zu Integrationskursen gewährt wird – von Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland an und unabhängig von ihrem konkreten Aufenthaltsstatus, ihres Herkunftslandes und ihrer vermeintlich guten oder schlechten Aufenthaltsperspektive.

Grundsätzlich haben Flüchtlinge mit den Aufenthaltspapieren „Aufenthaltsgestattung“ oder „Duldung“ keinen Anspruch auf Integrationskurse zum Erlernen der deutschen Sprache – unabhängig davon, wie lange sie schon hier sind. Seit 2015 gibt es aber auch für diese die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen an einem Integrationskurs teilzunehmen, wenn noch freie Plätze vorhanden sind. Dies gilt für Flüchtlinge mit einer Duldung nur, wenn diese aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründe oder erheblichen öffentlichen Interessen gewährt wurde (§ 60 Abs. 2 Satz 3 Aufenthaltsgesetz). Für Menschen mit einer Aufenthaltsgestattung sind Integrationskurse zugänglich, wenn sie eine „gute Bleiberechtsperspektive“ haben und kein „Dublin-Verfahren“ zur Prüfung der Zuständigkeit eines anderen EU-Staates eingeleitet wurde. Das BAMF hat dies auf Flüchtlinge aus jenen Herkunftsländer beschränkt, für die über 50 Prozent der AntragstellerInnen ein Schutzstatus zugesprochen wurde: Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia. Alle anderen Länder (zum Beispiel Afghanistan) sind derzeit von den Kursen ausgenommen, explizit auch Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern. Die Herkunftsländer mit einer „guten Bleiberechtsperspektive“ sollen jährlich durch das BAMF festgelegt werden.

Flüchtlinge mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung haben unabhängig von ihrem Herkunftsland nach drei Monaten des Aufenthaltes einen Zugang zu den ESF-BAMF-Kursen. Dies sind vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) organisierte Kurse zur berufsbezogenen Deutschförderung. Doch nicht überall finden solche Kurse statt; es werden einfache Deutschkenntnisse vorausgesetzt, die Anzahl an Plätzen ist stark begrenzt und regional verschieden verteilt. Die Übernahme von Fahrtkosten zum Ort des nächsten Kurses kann im Einzelfall möglich sein.

Flüchtlinge, die das Asylverfahren abgeschlossen haben und anerkannt sind, haben seit dem Inkrafttreten des "Integrationsgesetz" im August 2016 die Verpflichtung, innerhalb eines Jahres einen Integrationskurs zu besuchen. Aktuelle Zahlen aus dem Bundesinnenministerium belegen, dass allerdings bei weitem nicht ausreichend Kurse angeboten werden. So ist davon auszugehen, dass mehr als 100.000 Menschen trotz Pflicht kein Kursangebot gemacht werden kann.

Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis gem. § 25 Abs. 1 oder 2 AufenthG (Asylberechtigte, Flüchtlinge, subs. Schutzberechtigte) können (Ermessen!) durch die Ausländerbehörden jetzt zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet werden, wenn sie Deutsch „nur“ auf dem A1-Niveau beherrschen (§ 44a Abs. 1 Satz 7 AufenthG). Bislang gab es – und gibt es nach wie vor – eine Verpflichtung nur für Personen, die das A1-Niveau noch nicht erreicht hatten. (Quelle)
 
In vielen Städten werden von einigen Beratungsstellen oder ehrenamtlichen MitarbeiterInnen kleinere Sprachkurse angeboten, um ein Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Erstorientierungshilfen in der deutschen Sprache sind auch in einigen Landesaufnahmestellen vorgesehen. Zudem gibt es diverse Online-Angebote zum Deutsch-Lernen.

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall