Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.

Wo und wie wohnen Flüchtlinge in Thüringen?

Wenn Asylsuchende in Deutschland ankommen, werden sie zunächst nach dem EASY-System auf die Bundesländer verteilt. Die erste Zeit verbringen sie in den Landesaufnahmestellen eines Bundeslandes. Mit dem seit Juli 2017 geltenden „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“ werden die Länder ermächtigt, die Aufenthaltsdauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu bestimmen. Die maximale Aufenthaltsdauer beträgt zwei Jahre.

In Thüringen ist die Landesaufnahmestelle in Suhl. Die Aufenthaltsdauer beträgt hier zurzeit nur einige Wochen. Danach werden die Asylsuchenden den Landkreisen und kreisfreien Städten prozentual zugewiesen.1 Bei der Verteilung und Zuweisung auf die Bundesländer und Landkreise werden Wünsche und Bedarfe (Kontakte zu Freunden oder Bekannten in Deutschland) der Asylsuchenden in aller Regel nicht berücksichtigt. Der Schutz der Kernfamilie muss aber gewährleistet werden.

Nach den gesetzlichen Vorgaben (§53 AsylG und §2 Abs. 4 ThürFlüAG) werden die Flüchtlinge in den Landkreisen/kreisfreien Städten in Sammelunterkünften oder Wohnungen untergebracht. Dies ist abhängig vom jeweiligen Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Die Sozialämter sind zuständig für die Unterbringung und damit auch für die Anmietung von Wohnraum.

Nach der Thüringer Kostenerstattungsverordnung erhalten die Landkreise/kreisfreien Städte vom Land pro aufgenommenem Flüchtling und Monat Pauschalen für die Unterbringung, für soziale Leistungen und Sozialbetreuung sowie Gelder für die Bewachung. Kosten für die medizinischen Leistungen werden im Rahmen der Gesundheitskarte finanziert. Laut der Thüringer GUSVO gelten als Mindestwohnfläche für Flüchtlinge sechs Quadratmeter pro Person. Das heißt in einem 24 Quadratmeter großen Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft dürften vier Personen auch über lange Zeit untergebracht werden. Toiletten, Duschen und Küche werden oft von vielen geteilt.

Allerdings gibt es für die Menschen in Sammelunterkünften so gut wie keine Privatsphäre oder Rückzugsmöglichkeiten sowie kaum Mitspracherecht. Zudem liegen die Sammelunterkünfte meist am Stadtrand oder in sehr kleinen Ortschaften mit zum Teil unzureichender Nahverkehrsanbindung, somit gibt es für die Geflüchteten wenig bis kaum Beschäftigungsmöglichkeiten. Der triste Alltag trägt dazu bei, dass die Menschen psychisch und physisch erkranken oder nicht genesen können. Zudem bietet eine zentrale Unterbringung einen einfachen Angriffspunkt für Stimmungsmache und rassistische Übergriffe. 

1Thüringer Flüchtlingsverteilungsverordnung; www.landesrecht.thueringen.de

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Zuletzt geändert: vor 6 Monate
Lizenz: CC BY-ND 3.0

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall