Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.

Flucht und Asyl

Zuletzt geändert: Nov. 08 2017

Wie sinnvoll ist eine Obergrenze für Geflüchtete in Deutschland?

Die Debatte rund um die Reduzierung von Asylanträgen in der BRD wird hitzig geführt. Konzepte wie die unlängst geforderte „Obergrenze“ berücksichtigen dabei nicht die weltweite Situation der Flüchtlinge.

Einige Politiker*Innen, unter anderem von der Union (CDU/CSU), fordern, die Aufnahme von Geflüchteten und Schutzsuchenden auf 200.000 pro Jahr zu begrenzen. Sie argumentieren, dass mit dieser frei festgelegten Zahl die „Integrationsfähigkeit“ in Deutschland noch gewährleistet sei. Dem gegenüber stehen jedoch grund- und menschenrechtliche Verpflichtungen, Menschen in lebensgefährlichen und krisenhaften Situationen Schutz zu bieten. Für die Gegner*innen einer „Obergrenze“ bleibt zudem offen, warum im Kontext von weltweit mehr als 60 Millionen Flüchtlingen, die „Integrationsfähigkeit“ der BRD bereits mit 200.000 Menschen erreicht sein soll.

Häufig sprechen Befürworter*Innen einer „Obergrenze“ davon, dass die Einwanderung unkontrolliert geschehe. Die Befürchtung einer unkontrollierten Einwanderung setzt voraus, dass Migrationsbewegungen überhaupt kontrolliert werden könnten.

Verschiedene Entwicklungen weltweit zeigen, dass eine kontrollierte Einwanderung jedoch nicht möglich ist: So zieht Migrationsforscher Francois Gemenne das Beispiel des Grenzzaunes zwischen Mexiko und den USA heran. Dieser hat an der Anzahl der mexikanischen Einwanderer*Innen in die USA nichts geändert. Des Weiteren gab es keine steigende Armutsmigration nach der Öffnung der europäischen Grenzen von Ost nach West sowie nach der Grenzöffnung zwischen Indien und Nepal.

Durch die Bewegung von Menschen über Ländergrenzen hinweg verliert der Staat nicht seine Integrität. Ländergrenzen sind nicht kontrollierbar und erst recht nicht verschließbar.
Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen, sind nicht durch Grenzen steuerbar. Faktoren wie Hunger, Krieg und Armut halten sich nicht an die Migrationspolitik anderer Länder. Krisen brechen trotzdem aus.

Fakt ist: die Grenzen der meisten Staaten können nicht abgeriegelt werden. Eine „Obergrenze“ kann daher lediglich bei den gestellten Asylanträgen, nicht jedoch bei der tatsächlichen Einreise verankert werden. Wird eine „Obergrenze“ gefordert, muss sich auch die Frage gestellt werden, was mit den Menschen passiert, die über der Zahl von 200.000 liegen. Diese Menschen sind bereits über die Grenzen Deutschlands getreten und wurden bei verschiedenen Behörden vorstellig, bevor ersichtlich ist, dass die „Obergrenze“ erreicht ist. Eine Rückweisung von Menschen verletzt den Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention. »Menschenrechte kennen keine Obergrenze, niemand darf in eine Situation, in der Folter oder unmenschliche Behandlung droht, zurückgewiesen werden«, so Pro Asyl Geschäftsführer Günter Burkhardt. Das Recht auf Asyl ist ein universelles Menschenrecht, welches im deutschen Grundgesetz, der Genfer Flüchtlingskonvention sowie in der Grundrechtecharta festgeschrieben ist. Eine „Obergrenze“ würde diese rechtlichen Grundlagen verletzen.

Im Zuge der Asylrechtsverschärfungen seit 1993 hat die Bundesrepublik Deutschland das Grundrecht auf Asyl stark eingeschränkt. Die Flüchtlingszahlen für das Jahr 2017 sind so rückläufig, dass nur um die 200.000 Asylanträge erwartet werden Die Diskussion um die Einführung einer „Obergrenze“ ist somit nur eine populistische Scheindebatte.

Die Menschen müssen in einer zunehmend enger verbundenen Welt auch in solidarischen Aspekten näher zusammenrücken. Künftig wird es weitere Ursachen für Flucht geben. In den Nachrichten kann man die Folgen des Klimawandels in Form von Naturkatastrophen und schweren Unwettern verfolgen. Auch diese bleiben für den Menschen nicht ohne Konsequenzen. Es muss ein Umdenken stattfinden und die Migration als Teil unserer Realität akzeptiert werden. Migration sollte nicht als Problem gesehen werden, sondern als das was es ist, ein Grundrecht jedes Menschen: das Recht auf Mobilität sowie das Recht auf die Verbesserung der Lebensbedingungen für jeden Einzelnen.


 

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Zuletzt geändert: Sept. 12 2016

Wer ist ein Flüchtling?

Flüchtlinge sind Menschen, die aufgrund von Verfolgung, Folter, Gewalt, (Bürger-)Krieg, drohender Todesstrafe, Zerstörung der Existenzgrundlagen, Naturkatastrophen oder aus anderen (existenz-)bedrohlichen Gründen ihre Herkunftsregion verlassen und in anderen Gebieten des Landes oder in einem anderen Land Schutz suchen. Flüchtlinge müssen auf der Suche nach Sicherheit meist eine ungewisse und oft lebensgefährliche Reise auf sich nehmen.

Mit Hilfe des Asylverfahrens wird in Deutschland festgestellt, wer als Flüchtling Schutz erhält. Dabei führen nicht alle Gründe, die einen Menschen zur Flucht veranlasst haben, nach den geltenden Gesetzen und Konventionen zu einer rechtlichen Anerkennung als Flüchtling.

Wenn wir auf diesem Online-Angebot den Begriff „Flüchtling“ verwenden, meint dies nicht zwingend den Rechtsstatus des anerkannten Flüchtlings im Sinne der Gesetze, sondern umfasst all jene, die um einen solchen Schutz nachgesucht haben.

Zuletzt geändert: Sept. 12 2016

Welche Regelungen zum Schutz von Flüchtlingen gibt es?

Vor dem historischen Hintergrund und den Erfahrungen der Weltkriege und der Nazi-Diktatur gibt es eine Reihe von Gesetzen und völkerrechtlichen Abkommen, die den Schutz von Flüchtlingen regeln. Grundstein des internationalen Flüchtlingsschutzsystems ist die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK – 1951). Darüber hinaus sind die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK – 1950) sowie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 16a (GG – 1949) bedeutsam.

Die GFK legt fest, wer ein Flüchtling ist, welchen rechtlichen Schutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte sie oder er von den Unterzeichnerstaaten erhalten sollte und welche Pflichten ein Flüchtling gegenüber dem Gastland zu erfüllen hat. Die EMRK umfasst einen Katalog von Grund- und Menschenrechten, zu dessen Gewährleistung sich die Vertragsstaaten verpflichten.

Artikel 16a des Grundgesetzes formuliert ein Recht auf Asyl für politisch Verfolgte. Dieses zunächst umfassend gewährte Recht auf Asyl wurde 1993 im sogenannten „Asylkompromiss” deutlich eingeschränkt. Es wurde das Konzept der „sicheren Herkunftsstaaten“ eingeführt. Gemeint sind Staaten, bei denen grundsätzlich gewährleistet erscheine, dass keine politische Verfolgung, erniedrigende Bestrafung oder unmenschliche Behandlung stattfindet. Welche das sind wird nicht im Grundgesetz selbst festgelegt, sondern in der Anlage II zum Asylgesetzt (AsylG). Aktuell gelten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien als sichere Herkunftstaaten.

Darüber hinaus wird seit dem „Asylkompromiss“ 1993 auch denjenigen der grundgesetzliche Schutz verweigert, die durch ein sicheres Land („Drittstaatenregelung“) nach Deutschland einreisen. Aufgrund der geografischen Lage Deutschlands hat dieser Schutz danach massiv an Bedeutung verloren. Der „Asylkompromiss” stellt nahezu eine Abschaffung des allgemeinen Grundrechts auf Asyl nach dem Grundgesetz dar.

Zentrale Grundbausteine des Flüchtlingsrechtes sind die individuelle Gefahr der Verfolgung oder unmenschlicher Behandlung, der fehlende Schutz davor sowie das Verbot, Menschen dorthin zurückzuschicken, wo genau diese Gefahren drohen. Es dient dem Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten jedes einzelnen Menschen. Eine Diskussion um Obergrenzen oder feste Kontingente in der Aufnahme von Flüchtlingen missachtet diese Grundsätze. Obergrenzen bedeuten in der Konsequenz, dass Schutzsuchende ungeachtet ihres Schutzbedarfes abgewiesen werden müssten, wenn die Obergrenze erreicht beziehungsweise überschritten ist. Zentrale Dokumente des internationalen Menschenrechts- und Flüchtlingsschutzes würden damit außer Kraft gesetzt. (siehe auch hier) Ein fairer und transparenter Zugang zu den nationalen Asylsystemen muss gewährleistet werden. (siehe auch hier)

Zuletzt geändert: Sept. 12 2016

Wie viele Flüchtlinge gibt es weltweit?

Alle Flüchtlinge wollen nach Deutschland ?
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Waren 2012 insgesamt 45 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, sind diese Zahlen seitdem erheblich gestiegen. Nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) gab es im Jahr 2015 rund 65 Millionen Geflüchtete weltweit. Davon haben 2015 etwa 40,8 Millionen zunächst in anderen Regionen ihres Herkunftslandes Schutz gesucht und die Landesgrenzen nicht überschritten (sogenannte Binnenvertriebene). 21,3 Millionen Menschen sind in andere Länder geflohen. Dies waren die höchsten Flüchtlingszahlen seit dem 2. Weltkrieg. Rund die Hälfte (51%) aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. (Zahlen aus dem UNHCR Bericht Golbal Trends 2015)

Zuletzt geändert: Juli 17 2017

Woher kommen Flüchtlinge, wohin gehen sie?

Es kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland,  weil es im Allgemeinen weniger Flüchtlinge gibt.
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Aufgrund der kritischen Lage in ihren Herkunftsländern machen Menschen aus Syrien (5,5 Millionen), Afghanistan (2,5 Millionen) und Südsudan (1,4 Millionen) einen großen Teil der Geflüchteten aus.

Auch wenn 2015 mit rund 1 Million Menschen, mehr Flüchtlinge als zuvor nach Europa gekommen sind lebten mit 86% der Großteil der Geflüchteten in Ländern des Globalen Süden, in sogenannten Entwicklungsregionen. Die Hauptaufnahmeländer sind dabei vor allem die Nachbarstaaten der Krisengebiete. Das sind Länder wie die Türkei (2,9 Millionen), Pakistan (1,4 Millionen), der Libanon (1 Million), der Iran, Äthiopien und Jordanien. (Quelle: UNHCR, Mid-Year Trends 2016) Viele Menschen wollen oder können keine weiten Fluchtwege auf sich nehmen. Hinzu kommt, dass die Flucht nicht nur ungewiss und oft lebensgefährlich ist, sondern auch enorm viel Geld kostet. Menschen aus armen Verhältnissen haben kaum eine Chance, nach Europa zu fliehen. Oftmals wagt nur ein Familienmitglied den gefährlichen und teuren Fluchtweg in der Hoffnung, die Familienangehörigen – oft Frau und Kinder – auf legale und sichere Weise nachholen zu können oder zumindest Geld zur Unterstützung schicken zu können.

Zuletzt geändert: März 08 2017

Was sind "sichere" Herkunftsstaaten?

Dass die Maghreb-Staaten sichere Herkunftsländer sind steht im Gesetz? Ein Staat ist sicher, weil ein deutsches Gesetz es so festlegt?
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Artikel 16a des Grundgesetzes formuliert ein Recht auf Asyl für politisch Verfolgte. Dieses zunächst umfassend gewährte Recht auf Asyl wurde 1993 im sogenannten „Asylkompromiss” deutlich eingeschränkt. Es wurde das Konzept der „sicheren Herkunftsstaaten“ eingeführt. Gemeint sind Staaten, bei denen grundsätzlich gewährleistet erscheine, dass keine politische Verfolgung, erniedrigende Bestrafung oder unmenschliche Behandlung stattfindet. Welche das sind wird nicht im Grundgesetz selbst festgelegt, sondern in der Anlage II zum Asylgesetzt  (AsylG). Um Länder in dieser Anlage aufzunehmen müssen sowohl Bundestag, als auch Bundesrat zustimmen. Aktuell gelten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien als sichere Herkunftsstaaten.

Ein "sicherer Herkunftsstaat" im Sinne des Gesetzes bedeutet nicht, dass die Betroffenen keinen Asylantrag stellen dürfen. Aber diese werden dann meist pauschal abgelehnt und auch ihr Rechtsschutz wird auf ein Minimum reduziert. Mehr Informationen dazu finde ihr auch bei Pro Asyl

Im Mai 2016 hat der der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, welches auch die Länder Tunesien, Algerien und Marokko als s.g. sichere Herkunftsstaaten einstuft. Die Zustimmung im Bundesrat steht noch aus.

In der Gesetzesbegründung kommt das Innenministerium zu der Einschätzung, dass die o.g. Länder als grundsätzlich „sicher“ einzustufen sind. Im Oktober 2016 wurde bekannt, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, als Fachbehörde des Innenministeriums, selbst zu einer ganz anderen Einschätzung gelangt ist. Für die s.g. Entscheider des BAMF werden Herkunftsländerleitlinien (HKL) herausgegeben, die für ihre Entscheidungen, über die Gewährung von Asyl, als Grundlage dienen. In diesen HKL werden die Situationen in den Herkunftsstaaten, nach Informationen von ZEITonline, unterschiedlich eingeschätzt „In Marokko etwa könne politische Verfolgung nicht ausgeschlossen werden, auch in Algerien nicht“ … „ In Tunesien kommt das BAMF zwar zu der Bewertung, dass politische und religiöse Verfolgung nicht stattfinde, Homosexuelle aber müssten durchaus Verfolgung und Strafen fürchten. Bei bekannt gewordener Homosexualität könne ‚schutzrelevante Verfolgung durch die Behörden drohen‘„ Die Redaktion von ZEIT ONLINE kommt zu dem Schluss, dass die Unterlagen den Verdacht nahe legen, dass die Entscheidung, ob dieses Staaten als sichere Herkunftsstaaten gelten, allein aus innenpolitischen Gründen entstanden ist und Einschätzungen von Fachleuten ignoriert wurden.

 

Zuletzt geändert: Sept. 12 2016

Wie kommen Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland?

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Legale Möglichkeiten, nach Europa zu kommen, gibt es für Flüchtlinge kaum. Zudem werden die Land- und Luftwege sowie die Küsten überwacht und neue Grenzzäune gebaut. 2015 wurden innerhalb der EU wieder Grenzkontrollen eingeführt. Aufgrund dieser Abschottung der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten sind Flüchtlinge in der Regel auf FluchthelferInnen oder „Schlepper” sowie auf oft lebensgefährliche und teure Fluchtrouten angewiesen. Daher kommt es immer wieder zu Todesfällen, beispielsweise im Mittelmeer vor der italienischen Insel Lampedusa oder in der Ägäis: Allein zwischen der Türkei und Griechenland wird für 2015 von 3.600 Toten und Vermissten ausgegangen, darunter auch viele Kinder (Quelle: UNHCR). Um Flüchtlingszahlen zu senken, werden Fluchtwege für Menschen versperrt. Als Dominoeffekt hat dies zur Folge, dass Menschen beispielsweise nicht mehr aus Syrien fliehen können und es damit für sie kein Entkommen vor dem Krieg gibt. (Quelle: focus)

Die Zielländer der Flüchtlinge innerhalb Europas sind unterschiedlich. Wenn Geflüchtete die Bundesrepublik Deutschland erreichen, haben die meisten von ihnen einen langen Weg hinter sich. Im Jahr 2015 führte dieser viele Flüchtlinge über die sogenannte „Balkanroute“ (über die Türkei und Länder Südosteuropas). Nur wenige Flüchtlinge kommen über den Luftweg nach Deutschland oder werden über Aufnahmeprogramme aufgenommen.

Zuletzt geändert: Nov. 08 2016

Warum ist ein ‚legaler Grenzübertritt‘ fast unmöglich?

Flüchtlinge kommen alle „illegal“ über die Grenze?
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Das deutsche Gesetz, sieht die Möglichkeit des legalen Grenzübertritt für viele dieser Menschen nicht vor. Denn nur Menschen mit einer EU-Staatsangehörigkeit oder aus Ländern, für die keine Visumspflicht besteht, können einfach nach Deutschland legal einreisen. Alle anderen brauchen ein gültiges Visum. Ein Visum für die Beantragung von Asyl kennt das deutsche Recht nicht, zudem wäre es für Menschen in Bürgerkriegsregionen meist unmöglich ein Visum über die deutsche Botschaft zu beantragen. Das bedeutet auch für die Mehrheit der Flüchtlinge, dass sie keine andere Möglichkeit haben, als sich mit dem überschreiten der deutschen Grenze, gesetzwidrig zu verhalten.

Sobald sie aber in Deutschland als Asylsuchende registriert sind und eine Bescheinigung über den Aufenthalt erhalten, sind sie nicht mehr illegal. Denn in der Genfer Flüchtlingskonvention, Art. 31, ist vereinbart „Es soll keine Strafen gegen Flüchtlinge geben, die ohne Erlaubnis in ein Staatsgebiet einreisen, vorausgesetzt, dass sie sich unverzüglich bei den Behörden melden und Gründe darlegen, die ihre unrechtmäßige Einreise oder ihren unrechtmäßigen Aufenthalt rechtfertigen“ Daher werden eventuelle Ermittlungsverfahren, die wegen illegaler Einreise eingeleitet wurden, auch eingestellt.

Zuletzt geändert: Nov. 08 2016

Was bedeutet eigentlich die Dublin-Verordnung ?

Mit der sogenannten Dublin-Verordnung haben sich die EU-Staaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz auf Zuständigkeitsprinzipien für die Prüfung eines Asylantrages verständigt. Im Wesentlichen ist danach der Staat für die Prüfung des Asylantrages zuständig, dessen Gebiet der Flüchtling nachweislich zuerst betreten hat und wo er registriert wurde. Dies betrifft vorrangig die Staaten an den EU-Außengrenzen. In das zuständige Land kann ein Flüchtling zurückgeschickt werden – unabhängig davon, ob dort ein faires Asylverfahren möglich ist, Hilfen zur Existenzsicherung erhältlich sind oder gar Inhaftierung als Asylsuchender drohen.

Kerngedanke der Dublin-Verordnung ist, dass nicht in mehreren Ländern ein Asylantrag gestellt werden kann. Flüchtlinge haben dabei keine Mitsprachemöglichkeiten über ihren zukünftigen Lebensort. Freunde und Verwandte (über die Kernfamilie hinaus) in dem eigentlichen Zielland, Sprachkenntnisse, Anerkennungschancen der Fluchtgründe oder Ähnliches spielen keine Rolle. Auch in der Bundesrepublik Deutschland wird bei einem Asylantrag zunächst geprüft, ob eventuell ein anderes Land für das Verfahren zuständig ist.

Das Dublin-System wird von vielen als gescheitert bezeichnet  – spätestens seit 2015, aber auch schon zuvor gab es massive Kritik. Trotzdem wird es formal weiter angewandt. Europa ist durch das Dublin-System ein großer Verschiebebahnhof für Flüchtlinge. Es braucht menschenwürdige Asyl- und Aufnahmesysteme in den EU-Mitgliedstaaten, legale und ungefährliche Einreisewege für Flüchtlinge sowie nach einer Schutzanerkennung die Freizügigkeit innerhalb der EU, so Pro Asyl. Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen fordern, dass Flüchtlinge den Zielstaat ihrer Flucht frei wählen können müssen und bei ungleicher Verteilung dann Kosten, aber nicht Menschen zwangsweise verteilt werden. Ergänzend zu den individuellen Asylverfahren bedarf es nicht nur nach Pro Asyl und UNHCR großzügiger Aufnahmeprogramme und Möglichkeiten des Familiennachzugs, weil damit unter anderem das Asylsystem entlastet wird und Flüchtlinge legal, sicher und planbar einreisen können.

Zuletzt geändert: Sept. 12 2016

Aus welchen Ländern kommen Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland und wie viele?

Im Jahr 2015 kamen über 1 Million Flüchtlinge nach Deutschland?
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Genaue Daten, wie viele Menschen 2015 in Deutschland Schutz gesucht haben, liegen (noch) nicht vor. Aufgrund der hohen Zahlen und Probleme bei der Unterbringung, Versorgung, Verteilung in die Bundesländer, Registrierung und Asylantragstellung gibt es eine große Abweichung der unterschiedlichen Statistiken.

So wurden im Jahr 2015 bei der zuständigen Asylbehörde, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), rund 442.000 Asylerstanträge entgegengenommen. Viele Flüchtlinge, die 2015 eingereist sind, haben aber noch keinen Termin zur Asylantragstellung erhalten und sind damit noch nicht erfasst.

Laut dem sogenannten EASY-System zur Verteilung Asylsuchender in Deutschland wurden im gesamten Jahr 2015 rund 1,1 Millionen Asylsuchende registriert. Es ist davon auszugehen, dass ein größerer Anteil davon weiter in andere EU-Länder gereist ist, beispielsweise in Länder Skandinaviens. Es ist auch davon auszugehen, dass Flüchtlinge innerhalb Deutschlands mehrfach erfasst wurden in unterschiedlichen Aufnahmestellen beziehungsweise bei unterschiedlichen Behörden. Die tatsächliche Zahl der Asylsuchenden 2015 wird folglich zwischen beiden statistischen Angaben liegen.

Ungeachtet dessen sind es die höchsten Flüchtlingszahlen in Deutschland seit der Zeit nach dem 2.Weltkrieg. Im Jahr 1950 wurden in Ost- und Westdeutschland 12,5 Millionen aufgenommene Flüchtlinge gezählt. (Quelle: bpb). Der Höchststand an AsylantragstellerInnen war 1992 mit 438.000 Anträgen. Bis 2007 sanken die Zahlen auf weniger als 20.000. Erst in den letzten Jahren stieg die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland aufgrund der vielen eskalierenden Krisen und Kriege oder zunehmender Diskriminierung in verschiedenen Ländern wieder stark an und hat 2015 zu einem Rekord an Asylantragstellungen geführt.
 

Etwa zwei Drittel der im EASY-System registrierten Menschen kamen 2015 allein aus drei Ländern: Syrien, Irak und Afghanistan. Gemeinsam mit Menschen aus Eritrea stellen sie auch 50 Prozent der registrierten Asylerstanträge in der Statistik des BAMF. Bei allen vier Herkunftsländern sind die Chancen auf Zuerkennung eines Schutzstatus hoch. Menschen aus den Balkanstaaten machen zwar im Jahresdurchschnitt 2015 rund 30 Prozent aller Asylsuchenden aus. Allerdings sind die Zahlen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2015 rückläufig. Zum Jahresende stellen sie einen Anteil von 8 Prozent.

Deutschland verzeichnet im EU-Vergleich in absoluten Zahlen derzeit die meisten Asylanträge. Auch weltweit liegt Deutschland aktuell vorn bei den Asylantragszahlen. Dies bedeutet aber nicht, dass Deutschland die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. Bei massiven Fluchtbewegungen aus Krisenregionen wird aus Kapazitätsgründen oft kein individuelles Asylverfahren durchgeführt, da die Fluchtgründe sowieso offensichtlich sind. Im Jahr 2014 hat die Türkei die meisten – insgesamt 1,8 Millionen – Flüchtlinge aufgenommen (2,5 Millionen in 2015). In Relation gesetzt zur eigenen Bevölkerung lebten 2014 die meisten Flüchtlinge im Libanon: je 10.000 EinwohnerInnen waren es 2.320 Flüchtlinge.

Deutschland liegt bei diesem Vergleich bei 138 Asylsuchenden je 10.000 EinwohnerInnen für 2015, wenn wir die höchsten statistischen Angaben von 1,1 Millionen Flüchtlingen zugrunde legen. Wie oben bereits erwähnt sind diese Zahlen jedoch nicht gesichert. Für das Jahr 2014 lag Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz 7 (vorn: Schweden, Ungarn und Österreich).

Letztlich ist es zudem sinnvoll, Flüchtlingszahlen nicht nur ins Verhältnis zur EinwohnerInnenzahl, sondern auch zur Wirtschaftskraft eines Staates zu setzen. Da Deutschland aktuell zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt zählt, ist eine großzügige Flüchtlingsaufnahme auch leichter zu bewältigen und in Anbetracht der großen Flüchtlingszahlen humanitär geboten.

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall