Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.

Reaktionsmöglichkeiten bei Hetze im Netz

Es gibt viele Möglichkeiten, sich in Onlinedebatten einzubringen. Je nach Situation kann eine andere Reaktion sinnvoll sein. "DAS" Rezept gegen Hass und Hetze im Netz gibt es genauso wenig wie es das auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der Familie gibt. Daher sollte im Vorfeld gecheckt werden wo du dich befindest, um dann ggf. besser entscheiden zu können wie du reagierst. Die grundsätzlichen Reaktionsmöglichkeiten haben wir dann in drei Ebenen (ISI-Reaktionsmodell) unterschieden.

Durchatmen - Situation einschätzen

  • Umfeld abklären

Schaue, wo du dich im Netz befindest, ist es in der Familien-Whatsappgruppe, deiner Timeline mit Freunden oder doch eine öffentliche Seite einer Zeitungsgruppe? Wen möchtest du erreichen und vor allem: Wen kannst du erreichen? Oft geht es nicht direkt um die Person, auf die du reagierst, sondern um das mitlesende Umfeld, das es zu erreichen gilt. Denn gerade im Netz gilt: Ist eine Aussage erst einmal im Raum verbreitet, gilt sie vielen oft als unumstößliche "Wahrheit". Wie oft hören wir als Beleg für eine Behauptung: Das habe ich im Internet gelesen.

  • Profil/Account anschauen

Auf wen möchtest du reagieren bzw. mit wem diskutieren? In sozialen Netzwerken ist zwar das Gegenüber gerade bei öffentlichen Seiten nicht persönlich bekannt, aber durch die Profilseite lässt sich oft eine grobe Einschätzung zu den Positionen der Personen vornehmen.

  • Diskussionen entschleunigen

Diskussionen im Netz finden oft in erhöhter Reaktionsgeschwindigkeit statt: Ein Post folgt dem nächsten. Aber das musst du nicht mitmachen! Nehme dir die Zeit und prüfe Aussagen. Checke die "Fakten", indem du nach weiteren Belegen im Netz suchst. Gibt es weitere Quellen für die Aussage? Oder beziehen sich alle auf die gleiche Ursprungsmeldung und bestätigen sich nur gegenseitig selbst? Und was kannst du über die Quelle herausfinden: Wer schreibt was mit welchem (organisatorischen) Hintergrund? Ist es vielleicht eine der aktuell immer wieder diskutierten "Fake-News"? Das alles kostet Zeit und ist aufwendig, hilft aber, eine Nachricht als höchstwahrscheinlich wahr oder falsch einzuschätzen. 

Hast du eine Falschaussage enttarnt oder eine Äußerung als rassistisch und diskriminierend eingeschätzt, hast du grundsätzlich drei Möglichkeiten: Interagieren, Sanktionieren oder Ignorieren. (ISI-Modell)

Ebene des Interagierens

  • Heißt: Du greifst in die Diskussion ein.

Hinterfrage Aussagen und stelle Falschaussagen richtig. Hier kannst du dann meist die klassischen Diskussionsmuster beobachten, die auch in Offline-Debatten („am Stammtisch“) angewendet werden: Dinge werden einfach behauptet, vieles verallgemeinert, „alles in einen Topf geschmissen“ und vieles mehr. Entsprechend sind die Eingreifmöglichkeiten ähnlich wie in der Offline-Welt. Eine gute Auflistung zum Umgang findest du in dem Themenheft "Keine Panik" der IG-Metall Jugend und im dem Buch "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen" von Klaus-Peter Hufer. Auch auf unserer Seite selbst stellen wir für die Argumentation und Richtigstellung mit Fakten unsere #Sharefacts und Hintergrundinformationen zur Verfügung. Die #Sharefacts kannst du teilen oder auch einfach herunterladen und unter entsprechende Kommentare oder Beiträge posten.  

  • Solidarität zeigen

So unterstützend und ermunternd es im Freundeskreis oder der Familie ist, Aussagen einfach durch ein kurzes "Das sehe ich auch so!" bestärkt zu bekommen, so wichtig ist es auch im Netz, Kommentare und Beiträge zu unterstützen. Das muss nicht immer ein eigener Kommentar sein, oft reicht ein "gefällt mir" oder auch mal ein Share. Gerade in sozialen Netzwerken führt das auch dazu, dass der Beitrag oder auch das Kommentar mehr Leute angezeigt bekommen.
Genauso kannt ich Betroffenen bei persönlichen Angriffen oder Shitstorms beispringen, indem ich klare Haltung beziehe und dies auch in Kommentaren oder durch Beiträge bei #Hashtag-Kampagnen deutlich machen. Solidarität gegen Hetze und Gewalt kann und muss auch im Netz sichtbar werden! Eine Kampagne ist zB. die Initiative #WirSindDa

Ebene der Sanktion

  • Beitrag oder Account melden

Wenn gegen die Community Richtlinien verstoßen wird, können Beiträge oder auch der ganze Account bei den meisten Plattformen gemeldet werden. In wie weit das wirksam ist, wird immer wieder stark diskutiert. Sinnvoll ist es jedoch meistens, denn auch hier gilt nach einigen Untersuchungen: Solidarität gewinnt. Wenn ein Beitrag oder Account von vielen gemeldet wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er gelöscht bzw. gesperrt wird.

Hinweise zum Melden von Inhalten z.B. bei Facebook oder bei Twitter

  • Account blockieren

Gerade bei Seiten in Facebook können durch die Administrator*innen Nutzer*innen für die Seite blockiert werden. Aber auch persönlich kannst du Accounts blockieren, damit dir Kommentare und Beiträge nicht mehr angezeigt werden und du diese nicht mehr lesen musst. Der Account kann dann auch nicht mehr auf dein Profil zugreifen.

  • Kommentar löschen

Kommentare kannst du nur auf deinem eigenen Profil oder von dir betreuten Seite löschen. Aber gerade bei verletzenden oder diskriminierenden Beiträgen, dir oder einer weiteren Person oder Nutzer*innengruppe gegenüber, kann dies eine sinnvolle und notwendige Reaktion sein. Wenn es sich bei dem Inhalt um strafrechtsrelevante Äußerungen handelt, solltest du zuvor einen Screenshot anfertigen.

  • Anzeige erstatten

Nicht jeder Hasspost ist auch strafbar. Wenn es sich aber um Volksverhetzung handelt, kann und sollte es zur Anzeige gebracht werden. Dies kannst du auch anonym z.B. bei einer Onlinewache machen. Wenn Personen beleidigt werden, können diese Personen das ebenfalls zur Anzeige bringen. Da hier aber nur diese Personen selbst eine Anzeige erstatten können, geht dies leider nicht anonym. Erfolgen kann die Anzeige aber in jeder Polizeiwache, am besten sichert man über Screenshots die entsprechenden Beweise.

Ebene des Ignorierens

  • Ignorieren

In der persönlichen Begegnung, insbesondere in der Öffentlichkeit (Supermarkt, U-Bahn, Betrieb), heißt es oft, diskriminierende Äußerungen und Hetze nicht zu ignorieren und ihnen etwas entgegenzusetzen, um sie nicht stehen zu lassen oder gar durch Schweigen mögliche Zustimmung zu signalisieren. Gerade im Netz gibt es allerdings viele Situationen, wo es aus persönlichen Gründen sinnvoll sein kann, entsprechende Äußerungen doch mal zu ignorieren. Niemandem ist es zuzumuten auf diese manchmal grenzenlos wirkende Hetze und Hass in sozialen Netzwerken oder auch Kommentarspalten immer zu reagieren. Vielleicht ist es nicht die beste Lösung für die gesellschaftliche Stimmung, aber oft doch die beste für die eigene psychische Verfassung. Wenn du persönlich betroffen bist, hilft es auch Freund*innen und die Netz-Community um Unterstützung zu bitten.

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall