Fakten gegen Vorurteile
Wir möchten einigen Vorurteilen mit Fakten begegnen.
Aug. 14 2017

Ein paar Anmerkungen

"Ängste"?!

"Ängste"?!
"Ängste"?!

"Wir müssen die Ängste von Teilen der Bevölkerung ernst nehmen."

Dieser Satz ist schon vom Beginn der 1990er Jahre aus der Bundesrepublik bekannt, als zu der damaligen Hochphase von Asylantragszahlen das allgemeine Grundrecht auf Asyl abgeschafft wurde und Menschen in angezündeten Asylunterkünften starben. "Die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen" ist bis heute die einleitende Erklärung für die Rechtfertigung der Verschlechterung von Aufnahmebedingungen, Einschränkungen von Rechten für Flüchtlinge und die Forderung nach Obergrenzen.

Dabei lohnt das, was alles als "Ängste" bezeichnet wird, einen differenzierteren Blick. Nachvollziehbar ist, dass Menschen sich Gedanken machen, wie die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland geleistet werden kann und welche Schwierigkeiten dabei auftreten können. Auch die Frage nach Grenzen der Aufnahmefähigkeit lässt sich stellen. Doch woran lässt sich die festmachen? An fehlenden Wohnungen oder Schulplätzen? Angesichts von Krieg und Tod, von Hunger und elenden Lebensbedingungen, vor denen Menschen fliehen, kann und darf die Grenze der Aufnahmefähigkeit nicht von Stimmungen abhängen: Wohnungen müssen gebaut, Kita- und Schulplätze geschaffen und notwendige Finanzierungen organisiert werden, für alle.

Nicht nachvollziehbar und nicht mehr rational begründbar sind jedoch viele andere Befürchtungen. Eine allgemeine Angst vor allem Fremden gibt es möglicherweise, ist aber – eine Charakteristik von Angst – nicht rational. Genauso haben beispielsweise viele Menschen Angst in der Dunkelheit, aus den verschiedensten Gründen heraus. Wie muss dann ein Ernstnehmen dieser Angst aussehen? Ein Verbot von Dunkelheit? Wohl kaum. Eine Vermeidung von Dunkelheit? Schwer umsetzbar. Bleibt es nicht wesentlich sinnvoller, sich mit der Angst auseinander zu setzen, als ihr nachzugeben und sich abends nicht mehr aus dem Haus zu trauen? Die erste Begegnung mit einem Geflüchteten, ein kurzes banales Gespräch miteinander trägt oft schon zu einer veränderten Gefühlslage bei.   

Gefördert durch

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • IG Metall